Kurt Weill Fest 2017-25 Jahre

Reportage – Kurt Weill: The Eternal Road. Teil 5: Opernkritik (Kurt Weill Fest Dessau)

Konzertante Aufführung
Musikalische Leitung: Kristjan Järvi
Besuchte Vorstellung: 5.3.2017
Fotos: Sebastian Gündel, Kurt Weill Fest GmbH

Es ist eine gewaltige Leistung, Kurt Weills The Eternal Road auf die Bühne zu bringen, denn es bedarf nicht nur rund 150 Sänger*innen und Musiker*innen, um die Partitur zum Leben zu erwecken, sondern auch ein hohes musikalisches Niveau, um dem Werk als solchem gerecht zu werden. Ein Gradmesser für Qualität ist, wie bei allen Aufführungen, die gewissenhafte und zeitintensive Probenarbeit. Sie ist unabdingbar, um die verschiedenen, eklektisch miteinander zu einem musikhistorischen Kosmos verwobenen Stile der Partitur gerecht zu werden. Nach 2013 steht nun The Eternal Road zum zweiten Mal auf dem Programm des Kurt Weill Fests, abermals in der von Ed Harsh besorgten und unter dem Titel Die Verheißung veröffentlichten Fassung.

Chefdirigent Kristjan Järvi und sein MDR Sinfonieorchester konnten diesen Anspruch leider nicht gerecht werden, wohl aus Zeitgründen. In einem durchweg gehetzt wirkendem Tempo peitschten sie ungebremst, pauschal und lieblos durch das Bibelspiel. Järvi ließ nicht nur den MDR Rundfunkchor in ein ungezügeltes Dauerfortissimo verfallen, auch die Solisten, wegen des rasenden Tempos in erster Linie mit der Bewältigung des Textes beschäftigt, mussten wahlweise bei elaborierten Stellen brüllen oder gingen nuschelnd im brausenden Getöse unter. Schade, denn insbesondere die Stimmen von Tenor Matthew Grills (Jakob, Boas, Jesajah) und Bassbariton Ulf Paulsen (Mose, Salomo, Jeremiah) sowie mit Abstrichen von Sopranistin Jeanine de Bique (Rahel, Noemi) und Mezzosopranistin Edna Prochnik waren ganz vielversprechend.

Yoéd Sorek hingegen erwies sich schlicht als Fehlbesetzung. Der in Jerusalem geborene und in Augsburg lebende Tenor, zweifacher Stipendiat der Amerika-Israel-Kulturstiftung sowie Gewinner des Internationalen Jüdischen Musikfestivals 2014 in Amsterdam und des Utrecht Mercaz-Preis, ist laut Programmbuch und Eigendarstellung im Internet spezialisiert auf jüdische und jiddische Musik. Als solcher schien er geradezu prädestiniert für die Rolle des Rabbiners in The Eternal Road. Doch die Tiefe seiner Stimme ist substanzlos, die Höhe gequetscht, scharf und schrill. Auch das mittlere Register ist leidlich disintoniert, alles unverhältnismäßig verstärkt durch Lautsprecher. Die Erwartungen, die man an einen Opernsänger stellt – und auch die Figur des Rabbis ist für einen solchen geschrieben worden – erfüllte er nicht.

So bleibt die diesjährige Aufführung von Weills Die Verheißung beim Kurt Weill Fest ein gut gemeintes, wenn auch kein ebenso gelungenes Plädoyer für das Werk. Der Wunsch nach einer Aufführung in besserer Qualität ist jedoch gestiegen. Der Wunsch der Verantwortlichen hingegen, dies auf eine CD zu pressen, sollte nochmals gründlich überdacht werden.

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