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Reportage – Kurt Weill: The Eternal Road. Teil 1: 25 Jahre Kurt Weill Fest Dessau

Das Kurt Weill Fest in Dessau – eine Erfolgsgeschichte durch und durch! Vorsichtig waren die ersten Schritte, als an einem verlängerten Wochenende 1993 erstmals das Musikfestival mit elf Veranstaltungen und etwa 1.400 Besuchern stattfand. Die Kurt Weill Foundation for Music in New York, vertreten durch Guy Stern und Lys Symonette, brachte den Stein ins Rollen. Über die Jahre hinweg entwickelte sich das alljährlich um den Geburtstag des Komponisten am 2. März organisierte Festival zu einer gewichtigen Kulturinstitution mit einer nationalen wie internationalen Stahlkraft weit über die Grenzen des Bundeslands Sachsen-Anhalt hinaus.

Die diesjährige, rund zweiwöchige Ausgabe des Kurt Weill Fests unter dem Motto Luther, Weill & Mendelssohn zog knapp 18.000 Besucher an und stabilisierte auf hohem Niveau den Besucherrekord vom vorigen Jahr. Mit 57 Veranstaltungen an 26 Spielstätten, nicht nur in Dessau, sondern auch in Halle, Magdeburg, Wittenberg und Wörlitz, spannte das Festival einen Bogen von der Reformation über die Aufklärung bis in die Zeit von Kurt Weill.

500 Jahre Kulturgeschichte – kein einfaches Unterfangen, wenn das Motto nicht zu einem Sammelbecken für alles Mögliche überdehnt werden soll. Denn was Weill über Reformator Martin Luther oder den ebenfalls aus Dessau stammenden Aufklärer Moses Mendelssohn konkret dachte, wissen wir nicht. Es fehlen schlichtweg belastbare Aussagen. Doch Intendant Michael Kaufmann, der seit 2009 die Geschicke des Festivals leitete, interessiert sich auch weniger für diese Art von Rezeption, sondern er wählt einen ideengeschichtlichen Zugang, rückt den Menschen als frei denkendes Individuum ins Zentrum und lässt in seinem interessanten wie lehrreichen Festivalprogramm verschiedene Konzepte und Persönlichkeiten unterschiedlicher Epochen in Kommunikation zueinander treten.

Dies und die in seiner Amtszeit kontinuierlich gestiegene Reputation des Kurt Weill Fests zeigt, welch große Fußstapfen der dieses Jahr vorzeitig scheidende Intendant dem neuen Führungsquartett Gerhard Kämpfe (Kulturmanager), Markus L. Frank (GMD der Anhaltischen Philharmonie am Anhaltischen Theater Dessau), Johannes Weigand (Generalintendant des Anhaltischen Theater Dessau) und Jürgen Schebera (Kulturhistoriker) hinterlässt. Erst 2019 soll ein neuer Intendant berufen werden. Kaufmann möchte sich nun stärker seiner Aufgabe bei der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz widmen, so zumindest die offizielle Begründung.

Sichtlich bewegt bedankt er sich bei seiner Verabschiedung im Rahmen des dreiteiligen, vierstündigen Gala-Konzerts 25 Jahre Kurt Weill Fest Dessau beim Standing Ovations spendenden Publikum: Sie haben mein Weill-Flugzeug fliegen lassen! Und er verneigt sich, stellvertretend für alle Mitwirkenden in seiner Intendanz, vor den Künstler*innen des Abends, unter ihnen Ute Gfrerer, Nils Landgren, Christian Kögel, das Ensemble Modern, die Divenband und die Anhaltische Philharmonie Dessau. Das Gala-Konzert, das die großen Lebensstationen Weills – Berlin, Paris und New York – und die mannigfaltige Musikszene der Zeit Revue passieren lässt, war mehr als eine Hommage an Kurt Weill und eine würdige Geburtstagsfeier. Es war auch ein Vor-Augen-Führen, welch potenter Kulturmanager das Dessauer Weill-Parkett verlässt. Das kommende Kurt Weill Fest findet vom 22. Februar bis 11. März 2018 unter dem Motto Weill auf der Bühne! statt.

Eine Veranstaltung im diesjährigem Festivalprogramm, nicht nur mit Blick auf das Motto, sticht zweifelsohne heraus: Die konzertante Aufführung von Weills The Eternal Road mit dem MDR Rundfunkchor, dem MDR Sinfonieorchester und mehreren Solist*innen unter der musikalischen Gesamtleitung von Kristjan Järvi im Anhaltischen Theater Dessau. In vier folgenden Teilen versucht die Reportage, sich diesem hochspannenden, monumentalen Bibelspiel anzunähern.

Fotos: Kurt Weill Fest Dessau GmbH

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